Anton lebt in jener Zone, in der der Alltag zu flüstern beginnt, wenn eine Tür nicht schliesst, ein Licht zu früh ausgeht oder ein Schatten länger bleibt als er sollte. Dies sind seine Geschichten. Von Sicherheit, die mehr ist als Technik, und von Menschen, die mehr verbergen als ihre Haustüren. Erzählt von Adrian Hetzke.
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Donnerstag, 25. Dezember 2025
Anton – zwischen Lichtern und Verantwortung
Anton sitzt mir gegenüber, den Oberkörper leicht nach vorne geneigt, die Hände locker auf dem Tisch. Er schaut kurz aus dem Fenster, als würde er dort etwas suchen, das ihm beim Sprechen hilft. Dann beginnt er, ohne Pathos, ohne Einleitung.
Ich war nie besonders gut darin, diese Jahreszeit zu feiern. Nicht, weil ich etwas dagegen hätte, sondern weil mir die Geschichten darum nie wirklich gehören. Kerzen, Rituale, grosse Worte über Ruhe und Besinnlichkeit - das alles ist nicht meins. Und doch merke ich jedes Jahr um diese Zeit, dass sich etwas verändert. Nicht in mir, sondern um mich herum.
Er macht eine kurze Pause, denkt nach, als würde er abwägen, ob er das weiter ausführen will.
Die Tage werden kürzer. Die Abende leiser. Und die Menschen denken anders. Viele meiner Kunden sprechen im Dezember nicht über neue Projekte oder Umbauten. Sie sprechen über Abwesenheit. Über Tage, an denen niemand zu Hause ist, oder Wohnungen, die dunkel bleiben. Auch über Häuser, die still werden, während draussen das Leben weiterzieht. Man hört das nicht als Angst, eher als Verantwortung. Für das, was man zurücklässt.
Ich merke, dass ihm dieser Teil wichtig ist. Er spricht ruhiger, fast sachlicher.
Ich höre dann zu und weiss, dass meine Arbeit jetzt nicht komplizierter wird, sondern klarer. Wenn jemand über die Feiertage wegfährt, beginnt für mich Organisation. Keine Hektik, kein Aktionismus. Ich prüfe Zustaende, Abläufe, Erreichbarkeiten. Ich schaue mir an, was bereits da ist, und noch wichtiger: wer da ist. Sicherheit funktioniert nie allein über Technik. Sie funktioniert über Menschen, die wissen, was sie tun, und wann sie handeln müssen.
Er lässt die Worte kurz stehen, als müsste man sie nicht weiter erklären.
Ich arbeite in dieser Zeit nicht alleine. Das habe ich nie getan. Im Hintergrund habe ich zwei Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Keine Namen, keine grossen Rollen. Sondern klare Aufgaben. Einer weiss, wie man ruhig reagiert, wenn etwas aus dem Rahmen fällt. Der andere kennt die Abläufe, weiss, wann man eingreift und wann man beobachtet. Wir sprechen nicht viel darüber. Wir wissen, was zu tun ist.
Als er von seiner Zentrale spricht, hebt er kurz die Hand, fast entschuldigend.
Manchmal stehe ich dort und schaue auf das, was gerade läuft. Kein Kontrollraum aus einem Film, kein Drama, ein paar Bildschirme, saubere Abläufe, klare Zuständigkeiten. Alles ueberschaubar. Alles so aufgebaut, dass ich jederzeit weiss, was Sache ist. Ich mag es, wenn Dinge einfach sind, nicht banal einfach verstaendlich.
Ich sehe, wie er sich zurücklehnt.
In diesen Momenten denke ich kurz an diese Jahreszeit. Nicht an Weihnachten selbst, sondern an das, was sie mit den Menschen macht. Sie werden langsamer, offener, nachdenklicher. Und sie wünschen sich, dass jemand hinschaut, während sie weg sind.
Ich nehme das ernst.
Vielleicht ist das meine Art, diese Zeit zu leben. Nicht mit Ritualen, sondern mit Verantwortung. Nicht mit grossen Worten, sondern mit verlässlichen Abläufen. Wenn andere feiern, sorge ich dafür, dass sie ruhig wegfahren können. Und dass sie genauso ruhig zurückkommen.
Das reicht mir.
Fortsetzung folgt.
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